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Reisebericht Carretera Austral bis Puyuhuapi

Der folgende Bericht ist Teil eines Reiseberichtes über unsere Reise auf der Carretera Austral mit einigen Abstechern nach Chiloé und Argentinien im März/April 2017. Suse & Reno Román

Tag 8: Endlich auf der Carretera Austral – Fahrt bis Puyuhuapi

Heute war nun endlich der grosse Tag gekommen und wir fuhren unsere ersten Kilometer auf der Carretera Austral. Das Wetter hielt einen Mix aus Wolken, Sonne und Regen für uns bereit – zwar strahlen die meisten Fotos dabei nicht so schön – aber die Landschaft ist tatsächlich mit Regen oder Sonne gleichermassen atemberaubend und einmalig. Offengestanden macht jede Kurve neugierig, was einen wohl dahinter erwarten mag.

Wir fuhren zunächst bis zu dem winzigen 200-Seelen Dorf Villa Lucia, wo wir in einem klitzekleinen Restaurantchen, welches eher wie die private Stube wirkte, bei zwei netten älteren Leuten eine feine Hühnersuppe und guten Kuchen aßen. Die beiden kommen eigentlich aus Chaitén. Aber im Jahr 2008 gab es dort mitten in der Nacht einen gewaltigen Vulkanausbruch des kleinen Vulkans Chaitén, von dem viele Bewohner und viele Vulkanologen nicht einmal wussten, dass er existiert. Er war klein, unscheinbar, stand im Schatten eines viel mächtigeren Vulkannachbarn und brach das letzte Mal vor 9000 Jahren aus, so dass er allgemein für tot gehalten wurde. Ohne irgendwelche Vorwarnungen explodierte er dann plötzlich mitten in der Nacht und zerstörte den gesamten Ort Chaitén. Eine ungeheure Katastrophe. Unsere Gastwirte hatten ebenfalls alles verloren und wurden dann umgesiedelt nach Villa Lucia.

In Villa Lucia stiessen wir auf die Carretera Austral und zu unserer grossen Überraschung und Freude, sind bereits weite Teile davon asphaltiert. Wir hatten nur mit einer Schotterpiste gerechnet. Aber umso angenehmer ist das Fahren und da hier nicht viel los ist, kann man trotzdem überall mitten auf der Strasse anhalten.

Unser heutiges Tagesziel war Puerto Puyuhuapi – im Prinzip ein Pionierdorf wie aus dem Bilderbuch. Eine Handvoll niedriger holzverkleideter Häuser stehen am Nordufer eines Fjords. Erst 1935 wurde die Siedlung von vier Sudetendeutschen gegründet – die dazugehörige Geschichte ist ausnehmend spannend und kann unter „Puyuhuapi Besiedlungsgeschichte“ nachgelesen werden. Ich empfehle die Lektüre.

Momentan wird hier allerdings gerade das Abwassersystem verlegt, so dass von Idylle nicht viel zu spüren ist. Die ganze Uferstrasse ist aufgerissen und stinkt ganz fürchterlich nach Abwasser mit sämtlichen Implikationen…

Fotogalerie Carretera Austral bis Puyuhuapi