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Galápagosinsel Floreana: Seifenoper am Ende der Welt

Die Galapagos Affäre

Floreana – der Schauplatz der Galapagos Affäre – ist die kleinste der vier besiedelten Galapagosinseln und heute ein echtes Idyll. Das war nicht immer so. Unter der ersten Siedlergeneration spielten sich dort wahre Tragödien ab. Die Geschichte der Besiedlung Floreanas begann im September 1929 mit der Ankunft des deutschen Zahnarztes und Hobbyphilosophen Friedrich Ritter, der sich hier zusammen mit seiner Geliebten Dore Strauch niederliess. Ehepartner sowie die unter Wirtschaftskrise und politischer Instabilität leidende Heimat lassen sie hinter sich. Dr. Ritter hasste die Welt und verachtete die Menschen. Kleidung verschmähte er ebenso wie Fleischgenuss. Er liess sich sogar alle Zähne ziehen, um in der Einöde Zahnkrankheiten vorzubeugen. Er wollte der Welt beweisen, dass man mit dieser natürlichen Lebensweise 140 Jahre alt werden könnte. (Dummerweise starb der Vegetarier vorher an Fleischvergiftung.) Anfang der 30iger Jahre kannte ihn die ganze Welt, da sie über Ihren Aussteigeralltag in diversen Zeitungsmagazinen berichteten.

Die Geschichte der Familie Wittmer auf Floreana

Einer dieser Artikel in der Berliner Illustrierten inspirierte drei Jahre später den 42-jährigen erzkonservativen Kölner Heinrich Wittmer – zu dieser Zeit Mitarbeiter des damaligen Kölner Bürgermeisters und späteren Bundeskanzlers Konrad Adenauer – sich auf Floreana eine neue Heimat zu suchen. Begleitet wird er von seiner 14 Jahre jüngeren Ehefrau Margret und deren 1918 in erster Ehe geborener Sohn Harry.

Dr. Ritter fühlt sich durch die Neuankömmlinge gestört – und als ein halbes Jahr später dann noch eine dritte Aussteigergruppe landet, ist es mit dem Inselfrieden endgültig vorbei. Eine Österreicherin, die sich als Baronesse Eloise Wagner de Bousquet präsentiert, kommt in Begleitung ihrer zwei deutschen Liebhaber – und die Seifenoper beginnt. Die egomanische Hochstaplerin, die sich in amerikanischen Magazinen als „Kaiserin von Floreana“ feiern lässt, erhebt umgehend Besitzanspruch auf die einzige Quelle, was einer Kriegserklärung an Ritter und die Wittmers gleichkommt. Auch innerhalb der „Baronesse-Gruppe“ geht es keineswegs friedlich zu: Einer der Liebhaber, Rudolf Lorenz, beschwert sich bei den Wittmers, von der „Baronesse“ und seinem Nebenbuhler Robert Phillipson gedemütigt und als Arbeitssklave missbraucht zu werden. Der Konflikt eskaliert, als die Österreicherin und der von ihr favorisierte Liebhaber im März 1934 plötzlich verschwinden. Zurück bleibt der gemobbte Lorenz. Da kein Schiff in der Nähe war, welches sie hätte mitnehmen können, kommt rasch der Verdacht auf, dass beide einem Mordanschlag zum Opfer gefallen seien.
Dann folgt ein Drama dem nächsten: Lorenz verlässt die Insel, erleidet aber Schiffbruch und verdurstet. Der bekennende Vegetarier Ritter stirbt nach dem Verzehr verdorbenen Hühnerfleisches. Dore Strauch kehrt zurück nach Deutschland, wo sie an einer Herzerkrankung stirbt. Am Ende bleiben der Insel nur die Wittmers erhalten – und ein Mysterium.

Heute leben auf der Insel Floreana als letzte Überlebende der ersten Siedlergeneration noch die Tochter Ingeborg Wittmer sowie ihre Tochter Erica. Sie betreiben ein kleines Hotel am schwarzen Strand von Floreana. Die gesamte Auswanderergeschichte ist in Fotos an den Wänden des Restaurants dokumentiert sowie ausführlich im Buch „Postlagernd Floreana“ von Margret Wittmer erzählt.

Die ganze Geschichte wurde auch als Galapagos Affäre bekannt.

Quelle: http://derstandard.at/2000013069303/Galapagosinsel-Floreana-Historische-Dokusoap-am-Ende-der-Welt